MEINE HUNDE
Poldi war ein würdiger Vertreter seiner Rasse. Er hatte alle Eigenschaften, die einem Lhasa zugeschrieben werden. Für Außenstehende war es sehr schwierig, hinter dem harten Kern einen liebevollen und absolut treuen, vierbeinigen „Partner“ zu sehen.
Im Alter von 7 Jahren erkrankte er. Nach vielen Untersuchungen wurde festgestellt, dass mein Poldi Allergiker war. Er war auf alles, was kreucht und fleucht, grünt und blüht, allergisch. Um sein Leben zu erleichtern, habe ich mein ganzes Umfeld umgestellt. Böden wurden ausgetauscht, Wände wurden nur mit einer speziellen Farbe gestrichen. Alles was Staub erzeugte, musste auf den Müll. Ebenso wurden spezielle Bettchen und Decken gekauft.
Um zu gewährleisten, dass er immer frisches, biologisch angebautes Gemüse zum Fleisch und Reis bekam, wurde im Garten Gemüse angebaut und selbst geerntet. Da wir auf dem Land leben, ist es auch leicht möglich, Bio-Fleisch zu bekommen. Wenn sich die Wiesen im Mai in ein Blumenmeer verwandelten, fuhren wir mit ihm an das Meer oder in das Hochgebirge. Im Spätsommer, vor der Getreideernte, verließen wir wieder unsere Heimat, um die 2 Wochen bis zum Ernteschluss am Meer oder im Gebirge zu verbringen. Dem Kleinen ging es hinterher wesentlich besser und mir natürlich auch.
Auch meine Tierärztin, Frau Dr. Gertrud Seitz aus Parsberg in der Oberpfalz, gab nicht auf, als andere „Zweibeiner“ ihn bestimmt schon auf den Regenbogen geschickt hätten. Der Juckreiz war während der Nächte am Schlimmsten, das natürlich zur Folge hatte, dass ich am Bettchen saß und ihn tröstete oder mit Medikamenten, Umschlägen etc. versorgte. Am Tage war er am liebsten mit Spazierengehen in Begleitung von Frau Winsi, einer lieben Nachbarin aus Seubersdorf, beschäftigt.
Durch Seminare und anhand von Fachbüchern erweiterte ich mein Wissen über die Allergie bei Tieren und die Möglichkeit, den Krankheitszustand zu verbessern, um sein Leben damit zu erleichtern. Wir probierten eine Eigenbluttherapie, was die ganze Sache zum Guten wendete. Natürlich musste ich noch auf das Futter besonders achten und seine Umgebung anpassen, aber er konnte sein kleines Hundeleben genießen.
Sein Gesundheitszustand änderte sich merklich, als wir in das Voralpenland zogen. Die frische und saubere Luft wirkte sich auf den Kleinen aus. Er genoss sein Hundeleben im Garten neben seinem eigens für ihn angelegten Gartenteich. Lange Spaziergänge oder Fahrradfahrten im Hundekorb rundeten seinen Tagesablauf ab. An dieser Stelle möchte ich mich bei Gabi Engel – Zwinger of Little Oaks und Martine Tunnat – Zwinger Baoahan - bedanken. Beide standen mir jahrelang mit Rat und Tat zur Seite.
Poldi war ein „Reisehund“ und bekannt wie ein bunter Hund. Fahrten ins europäische Ausland und einen längeren Aufenthalt in Amerika ließ er nicht aus. Gerne erinnere ich mich an kleine Geschichten, die wir beide erlebten. Den Kosenamen „Mäusele“ bekam er, als er auf einem Spaziergang ein kleines Mäuschen fing und wieder laufen ließ. Ich weiß’ nicht, wer mir mehr leid tat, die Maus oder mein total erschrockener Hund.
Seine Bürostunden verbrachte er, wie viele Zweibeiner, schlafend am Schreibtisch. Nur durfte niemand vom Schreibtisch etwas nehmen. Er war freundlich und interessiert an seiner Umwelt, wollte aber von keiner fremden Person angefasst werden. Im Hunderucksack geschützt auf meinem Rücken besuchte er Museen, Kirchen und machte ein Nickerchen während Konzerten und Vorträgen. Bei Besuchen von Ausstellungen schaute er von oben auf die anderen Hunde herab.
An einem herrlichen Sommertag ging Poldi viel zu früh für immer auf den Regenbogen. Aber er ging ja nicht von mir, sondern nur ein Stück voraus. Wie er es auf unseren langen und vielen Spaziergängen über 14 Jahre gemacht hatte.





